Mehr drin, als das 3:7 verrät: Adler III verkauft sich in Dollbergen teuer

Beim zweiten Saisonspiel musste sich die neu formierte dritte Mannschaft des SV Adler Hämelerwald dem TSV Dollbergen III mit 3:7 geschlagen geben. Das Ergebnis klingt eindeutig – zwei Fünfsatzduelle, zahlreiche knappe Sätze und einige starke Einzelleistungen erzählen jedoch eine deutlich spannendere Geschichte.

Nach genau zwei Stunden stand das 7:3 für die Gastgeber fest. Auch das Satzverhältnis von 24:12 fiel deutlich aus, während die 348:309 Bälle zeigen, dass spielerisch weniger zwischen beiden Mannschaften lag, als das Endergebnis zunächst vermuten lässt.

Neue Mannschaft, nächste Improvisation

Adler III befindet sich nach dem personellen Umbruch weiterhin in der Findungsphase. Aus der Mannschaft der vergangenen Saison sind lediglich Jan Kaune und Torsten Werner geblieben. Felix Ribbe spielt inzwischen für Adler II, während Moritz Luschei zum TTC Arpke IX gewechselt ist. Ganz aus den Augen verliert man sich trotzdem nicht: Am 29. September trifft Luschei mit seinem neuen Verein auf seine ehemalige Mannschaft. Im Tischtennis sieht man sich eben meistens zweimal – und anschließend häufig noch am Getränkekühlschrank.

Neu aus der Vierten hinzugekommen sind Wolfgang Ecke und Frank Zink. In Dollbergen standen allerdings weder Torsten Werner noch Frank Zink zur Verfügung, weshalb Karl-Heinz Brandes und Deryan Demir aus Adler IV aushalfen. Von einer eingespielten Stammformation konnte beim Auswärtsspiel in der 3. Kreisklasse, Gruppe 01, somit noch keine Rede sein.

Gute Doppelphasen ohne Belohnung

Die ungewohnte Besetzung machte sich zunächst in den Doppeln bemerkbar. Jan Kaune und Deryan Demir hielten gegen Marcus Bieler und Jörg Balzer lange gut mit. Die ersten beiden Sätze gingen nur mit 9:11 und 10:12 verloren, ehe Dollbergen mit einem 11:7 den 3:0-Erfolg vollendete. Das Resultat sah damit klarer aus, als der Spielverlauf tatsächlich war.

Wolfgang Ecke und Karl-Heinz Brandes brachten etwas mehr gemeinsame Erfahrung mit. Ein festes Doppel bildeten sie in den vergangenen Jahren zwar nicht, standen für Adler IV aber immer wieder zusammen am Tisch. Mit 11:9 gelang ihnen gegen Manfred Wekenborg und Tabea Lackert auch der bessere Start. Anschließend fanden die Gastgeber jedoch stärker in die Begegnung und drehten das Doppel zum 3:1.

Adler lag somit mit 0:2 zurück. Beide Doppel boten Chancen, doch Dollbergen gewann die entscheidenden Punkte – ein Muster, das den weiteren Abend begleiten sollte.

Sechs Punkte können ziemlich wehtun

Wolfgang Ecke eröffnete die Einzelrunde gegen Marcus Bieler. Das 0:3 klingt zunächst unspektakulär, war aber eines der bittersten Ergebnisse des Abends. Ecke verlor mit 9:11, 10:12 und 9:11 und lag insgesamt nur sechs Bälle hinter seinem Gegner.

Er war in jedem Satz auf Augenhöhe, belohnte sich jedoch nicht. Manchmal besteht der Unterschied zwischen einem völlig offenen Spiel und einem 0:3 eben nur aus sechs Punkten – und der unangenehmen Erkenntnis, dass der Gegner sie im richtigen Moment gemacht hat.

Noch enger verlief die Begegnung zwischen Jan Kaune und Manfred Wekenborg. Kaune gewann den ersten Satz deutlich mit 11:4 und führte nach einem 11:9 im dritten Durchgang mit 2:1. Wekenborg erzwang jedoch den Entscheidungssatz und setzte sich dort mit 11:5 durch. Bei insgesamt nur 47:45 Bällen hätte dieses Spiel ebenso gut auf die andere Seite kippen können.

Statt eines möglichen 1:3-Anschlusses stand es aus Adler-Sicht 0:4. Für den ersten Punkt sorgte anschließend Deryan Demir – und das ausgesprochen souverän. Gegen Jörg Balzer gewann die Verstärkung aus der Vierten mit 11:6, 11:7 und 11:4.

Karl-Heinz Brandes hielt gegen Tabea Lackert zunächst gut dagegen, verlor den ersten Satz aber knapp mit 9:11. Danach setzte sich die Dollbergerin deutlicher ab und gewann mit 3:0. Die Gastgeber gingen dadurch mit einer 5:1-Führung in die zweite Einzelrunde.

Ecke belohnt sich, Demir bleibt ungeschlagen

Jan Kaune traf nun auf Marcus Bieler. Nach zwei deutlichen Sätzen bewies Kaune Moral und gestaltete den dritten Durchgang vollkommen offen. Erst mit 12:14 musste er sich geschlagen geben. Bieler blieb damit in seinen Einzeln ohne Satzverlust und erhöhte für Dollbergen auf 6:1.

Wolfgang Ecke sorgte anschließend dafür, dass Adler sich noch nicht vorzeitig verabschiedete. Gegen Manfred Wekenborg geriet er zunächst in Rückstand, drehte die Partie mit 11:6 und 11:9, musste nach dem vierten Satz aber erneut in den Entscheidungsdurchgang. Dort behielt er mit 11:8 die Nerven und holte den zweiten Adler-Punkt.

Nach den drei äußerst knappen Satzverlusten gegen Bieler war dieser Erfolg die verdiente Belohnung für einen insgesamt starken Auftritt. Beharrlichkeit ist schließlich nichts anderes als die freundliche Weigerung, sich mit dem bisherigen Spielverlauf abzufinden.

Karl-Heinz Brandes stand anschließend gegen Jörg Balzer vor einer schweren Aufgabe. Der Dollberger zeigte nach seiner vorherigen Niederlage gegen Demir eine deutliche Reaktion und gewann mit 11:7, 11:1 und 11:7. Brandes blieb damit zwar ohne Einzelerfolg, trug als kurzfristige Unterstützung aber entscheidend dazu bei, dass Adler III überhaupt mit einer vollständigen und erfahrenen Mannschaft antreten konnte. Mit Balzers Sieg zum 7:2 war der Mannschaftskampf entschieden.

Das letzte Wort gehörte dennoch dem Adler. Deryan Demir bezwang Tabea Lackert mit 3:1. Nach einem 11:4 zum Auftakt und dem 9:11 im zweiten Satz übernahm er wieder die Kontrolle und gewann die folgenden Durchgänge jeweils mit 11:6.

Mit zwei Einzelsiegen, 6:1 Sätzen und 75:44 Bällen war Demir statistisch der erfolgreichste Einzelspieler der gesamten Begegnung – und das als Ersatzspieler.

Niederlage mit brauchbarem Fundament

Dollbergen gewann verdient, vor allem durch beide Doppel, die größere Ausgeglichenheit und die bessere Bilanz in den engen Satzphasen. Zehn der dreizehn mit zwei Punkten Unterschied entschiedenen Sätze gingen an die Gastgeber. Genau dort liegt der wesentliche Unterschied zwischen dem relativ knappen Ballverhältnis und dem deutlichen Mannschaftsergebnis.

Für Adler III bleiben dennoch einige positive Erkenntnisse: Demir gewann beide Einzel überzeugend, Ecke belohnte seinen starken Abend mit einem Fünfsatzerfolg, Kaune war gegen Wekenborg dicht am Punktgewinn und Brandes stellte sich kurzfristig in den Dienst der Mannschaft.

Noch greifen bei der neu formierten Dritten nicht alle Rädchen ineinander – angesichts der personellen Veränderungen wäre alles andere aber fast schon verdächtig gewesen. Die Mannschaft besitzt Erfahrung, Qualität und genügend Entwicklungspotenzial. Wenn aus den wechselnden Besetzungen Schritt für Schritt eine feste Einheit wird, dürften künftig auch mehr knappe Sätze auf der richtigen Seite landen.